Weitere Bilder von der EM und ein Kommentar von Walter Brändle

Sep 21st, 2015 | By GK | Category: Rennen, Veranstaltungen

Der Alltag hat uns wieder – das Training am gestrigen Sonntag war nach dem ereignisreichen EM-Wochenende fast schon entspannt und gemütlich. Trotzdem waren rund 50 Windhunde am Start und nutzten die hervorragend präparierte Bahn um zu zeigen, daß sie auch im Training in der Lage sind, hervorragende Zeiten zu laufen. Ca. 15 Greyhounds und auch ca. 15 Whippets stellten das Gros der Teilnehmer.

Nachstehend weitere Bilder von Rainer Scholz von den EM-Finalläufen am Sonntag, 06.09.:

Auch Karin Kölsch hat uns mit weiterem Bildmaterial versorgt. Dabei hat sie sich auf die Startphase konzentriert:

Von unserem Freund aus der Schweiz, von Walter Brändle haben wir den nachstehenden Bericht erhalten:

Die Europameisterschaften 2015 in Hünstetten werden nicht nur mir als perfektes Titelrennen in Erinnerung bleiben, das kaum besser hätte vorbereitet und durchgeführt werden können. Wenn ich in meiner Rückschau nur ein Detail erwähne, dann darum, weil alle erwähnenswerten Fakten in weiteren Berichten ihr Lob finden.

Als ich am Donnerstag in der Windhund-Arena in Hünstetten ankam, freute ich mich darüber enorm, alle im Einsatz stehenden Helferinnen und Helfer trotz strapaziöser Vorbereitung immer noch lachend und gut gelaunt anzutreffen. Wie lange würde diese gute Laune wohl anhalten, standen doch diesen Leuten drei kräftezehrende, teilweise nervenaufreibende Renntage bevor, während denen sie teilweise an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit stoßen würden? Doch, und das ist eine meiner positivsten Erinnerungen, auch am Ende der Monsterveranstaltung sah ich nur frohe, lachende, glückliche, aber auch stolze Gesichter und die Helferinnen und Helfer waren so hilfsbereit wie am ersten Tag! Herzlichen Dank an alle, die auf irgendeinem Posten im Einsatz standen!

Mit meinen weiter führenden Gedanken möchte ich niemanden verärgern. Ich bringe nur das zu Papier, was viele denken und vor allem meiner persönlichen Meinung entspricht, was aber auch Gerd Kleber, der 1. Vorsitzende des WRU Hünstetten, in seiner Grußbotschaft im Rennprogramm anspricht. Vielleicht regen meine Überlegungen zu Diskussionen an, und wenn entsprechende Beschlüsse der CdL folgen würden, wäre nicht nur ich überglücklich.

Teilnehmerzahl: Zu den Coursing-Europameisterschaften ist die Teilnehmerzahl auf 6 Hunde pro Rasse und Geschlecht beschränkt, bei den Bahn-Europa- bzw. Weltmeisterschaften liegt das Limit bei 12!

Die Hünstetter hatten wohlweislich 3 Renntage für das Titelrennen 2015 vorgesehen und lagen damit natürlich bei rund 540 gemeldeten Vierbeinern absolut richtig. Eine Durchführung an zwei Tagen wäre schlichtweg nicht möglich gewesen! Wäre es nicht sinnvoll, die Teilnehmerzahl für Bahn-EM, resp. -WM wie bei Coursing-Europameisterschaften auf 6 Hunde pro Rasse und Geschlecht festzulegen. Es geht ja eigentlich bei diesen höchsten internationalen Titelrennen darum, möglichst die besten Vertreter jedes Landes am Start zu wissen und nicht möglichst viele!

Vielleicht würde sich außerdem eher ein Veranstalter finden lassen, den man heute mit dieser gewaltigen Lawine von Teilnehmern eher vor einer Übernahme der Titelrennen abschreckt? Schließlich könnte der Austragungsmodus der Europa- und Weltmeisterschaften mit einer etwas geringeren Teilnehmerzahl überarbeitet und endlich den heutigen Verhältnissen angepasst werden!

Austragungsmodus: Ich hoffe, meine CdL-Kolleginnen und –Kollegen sind mir nicht allzu böse, wenn ich hier die von der Schweiz an der CdL-Sitzung 2015 in Helsinki eingebrachten und dort (noch) abgelehnten Anträge einer breiteren Öffentlichkeit vorlege und verteidige.

Wir sind uns, so hoffe ich doch wenigstens, alle einig, dass der Tierschutz auch im von uns allen so geliebten Windhund-Rennsport oberste Priorität hat. Bei den Europameisterschaften ist es erneut vorgekommen, dass 6 Hunde (eine Whippet-Sprinter-Hündin, drei Whippet-Sprinter und zwei Whippet-Hündinnen) 4 Läufe absolvierten. Außerdem liefen drei Greyhounds innerhalb knapp 6 Stunden dreimal über die 480 m-Distanz, was aus tierschützerischen und veterinärmedizinischen Gründen strikt abzulehnen ist. Bei den meisten nationalen und internationalen Rennen wird heute in den meisten Ländern das bewährte „Zeitsystem“ angewendet, d.h. jeder Hund (außer Greyhounds) bestreitet zwei Vorläufe auf Zeit, und die 6 Hunde mit den schnellsten Zeiten aus einem der Vorläufe bestreiten den Finallauf. Dieser Austragungsmodus sollte unbedingt auch bei Europa- und Weltmeisterschaften zur Anwendung kommen. Nur so werden überflüssige, gesundheitsschädigende Läufe vermieden und man sähe im Finale die 6 schnellsten Hunde, welche darüber hinaus aufgrund der gleichen Anzahl schon bestrittener Läufe auch gleiche Chancen haben.

Für die Greyhounds sollte auch bei EM-/WM-Titelrennen der vielerorts praktizierte Modus berücksichtigt werden, dass jeder Hund einen Vorlauf auf Zeit bestreitet und die schnellsten 6 Hunde darauf im A-Finale aufeinander treffen, die nächsten 6 Hunde bestreiten das B-Finale, weiter das C-Finale usw. Mit diesem System könnten alle, auch die teilweise von weither angereisten Greyhounds zwei Läufe absolvieren. Damit auch in den B-, C-, D- usw. Finalläufen volle Sechserfelder an den Start gehen, könnten diese Finals durch besondere „Titelvergaben“ (z. B. Consolation-Winner, Newcomer oder ähnliche) und Teilnahme an der offiziellen Siegerehrung aufgewertet werden. Außerdem könnte den Zuschauerinnen und Zuschauern mit diesen Finalläufen in der Pause bis zu den A-Finalläufen ein attraktives Programm geboten werden. Der fakultative zweite Lauf war übrigens meine eigene Kreation, welche entstand, als mein eigener Greyhound am 26. Juni 1983 beim Europcup-Rennen in Rifferswil mit Vor- und Hoffnungslauf, Halbfinal- und Finallauf viermal an den Start ging. Der fakultative Lauf war eigentlich als „Korrekturlauf“ gedacht, den der Hundebesitzer/die Hundebesitzerin beantragen konnte, wenn sein/ihr Hund im Vorlauf auf irgend eine Art gestört wurde und somit seine wahre Leistung nicht zeigen konnte. Die „Erfindung“ des fakultativen Vorlaufs liegt 32 Jahre zurück, und in der Zwischenzeit hat sich doch bezüglich Hunden, Organisation, Technik usw. einiges getan. Versuchen wir doch, die neuen Erkenntnisse in unseren Sport einfließen zu lassen und nicht Altes, Überholtes stur zu verteidigen und damit den Fortschritt zu blockieren! Dass die einzige Verantwortung beim Einsatz seines Vierbeiners beim Besitzer/bei der Besitzerin liegt, ist uns allen bewusst. Offenbar gibt es aber bestimmte Situationen (z. B. Titelrennen), bei denen die Besitzer/Besitzerinnen mit dieser Verantwortung überfordert sind. Aus diesem Grund sind die zweiten fakultativen Vorläufe komplett zu streichen.

Die Europameisterschaften 2015 in Hünstetten gehören der Vergangenheit an, wir werden uns allzeit gerne an sie zurück erinnern.

Walter Brändle

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