Die EM’15 in Hünstetten im Rückspiegel – mit kritischen Anmerkungen von Manfred Müller

Nov 5th, 2015 | By GK | Category: Rennen, Veranstaltungen

Unschöne und unsportliche Szenen  bei der EM 2015 in Hünstetten.

Nach etwas zeitlichem Abstand zur EM 2015 in Hünstetten will ich nun doch auf das Verhalten einiger Teilnehmer bei der Siegerehrung der Greyhound-Hündinnen eingehen.

Für alle, die nicht bei der EM dabei waren, will ich den Anlass für das unsportliche und unwürdige Verhalten von Teilnehmern (ja, ich nenne sie absichtlich nicht Sportfreunde) kurz erläutern. Im Endlauf der Geyhound-Hündinnen, am Sonntag, dem 6. September, gab es Situationen die diskussionswürdig waren. Das Geschehen spielte sich im Bereich der 4. Halbkurve und auf der Zielgeraden ab. Es waren vier Bahnbeobachter, die das Geschehen zu beurteilen hatten. Laut Programm waren eingesetzt: eine Bahnbeobachterin aus Belgien, ein Bahnbeobachter aus Österreich und zwei aus Deutschland.

Es ist richtig: Die Bahnbeobachter gaben zwar ihre Meldungen bei dem Schiedsgericht ab, jedoch erst nach dem Endlauf der Grey-Rüden und nachdem der Equipe-Chef von Belgien Protest gegen die Entscheidung beim Lauf der Grey-Hündinnen eingelegt hatte. Allein um den Teilnehmern das Gefühl zu geben, dass das Geschehen seitens der Bahnbeobachter erläutert wird, hätten die Bahnbeobachter unmittelbar nach dem Lauf zum Schiedsgericht kommen müssen. Das hätte wesentlich dazu beigetragen den Unmut über die Entscheidung geringer zu halten. Aber da die Bahnbeobachter von sich aus nicht zum Schiedsgericht gekommen waren, konnte man erwarten, dass das Schiedsgericht sie zu sich kommen lässt, um die Vorkommnisse in dem besagten Lauf zu besprechen.

Das Schiedsgericht setzte sich zusammen aus einem Schweizer und zwei Deutschen. Das kritisiere ich, weil es aus meiner Sicht besser ist, bei solchen Veranstaltungen immer nur einen Schiedsrichter eines Landes einzusetzen. Das ist aber zweitrangig und stellt meine Meinung dar, die so alt ist, wie ich an internationalen Großereignissen seit Jahrzehnten teilgenommen habe. Damit keine falschen Schlüsse gezogen werden! Ich stelle die Kompetenz der Schiedsrichter und Bahnbeobachter überhaupt nicht in Frage. Ich würde aber eine solche Zusammensetzung des Schiedsgerichts schon allein aus taktischen Gründen nicht machen.

Auf die Zusammensetzung der Schiedsgerichte hatte unser Verein keinen Einfluss.

Die FCI-RO verlangt nicht, dass nur jeweils ein Schiedsrichter pro Land eingesetzt wird, aber es heißt dort: Das Schiedsgericht besteht aus drei Mitgliedern, welche die Schiedsrichterlizenz haben müssen und soweit als möglich aus verschiedenen Ländern ausgewählt werden. Unter den anwesenden internationalen Funktionären sah ich sehr viele, die hätten eingesetzt werden können.

Die endgültige Entscheidung des Schiedsgerichts war: Der Lauf wird ohne Beanstandung gewertet.

Es steht mir nicht zu, die Entscheidung des Schiedsgerichts zu kritisieren!

Zu unterstellen, die eingesetzten Funktionäre hätten die Entscheidung aus irgendwelchen unredlichen, dubiosen Gründen so getroffen, ist abenteuerlich und ehrenrührig. Im Internet wurde das Geschehen, sowohl auf dem DWZRV-Forum, und wie man mir sagte, auch auf Facebook, diskutiert. Die Beiträge auf dem DWZRV-Forum kenne ich. Beiträge auf Facebook lese ich grundsätzlich nicht. Ich habe für den Facebook-Stil nichts übrig.

Auf dem DWZRV-Forum wurde immer wieder auf Videoaufnahmen verwiesen, die das Geschehen widergeben sollen. Den Vorgang oder die Vorgänge auf den Videoaufnahmen klar zu erkennen, stelle ich in Abrede. Ein über ein ganzes Jahr durchgeführter Versuch mittels Videoaufnahmen die Bahnbeobachter zu entlasten und dem Schiedsgericht eine weitere Möglichkeit der Meinungsbildung zu geben, brachte keine brauchbaren Ergebnisse. Um das Geschehen eines Laufs mittels Videoaufnahmen zu dokumentieren, müsste mindestens eine Kamera während des Laufs über und kurz vor den Hunden mitgeführt werden. Alles andere sind nur Momentaufnahmen, wobei es durch unterschiedliche Standorte von Kameras auch zu völlig unterschiedlichen Betrachtungen kommen kann.

Man mag die Entscheidung des Schiedsgerichtes kritisieren. Man mag kritisieren, dass die Bahnbeobachter nicht unmittelbar nach dem Lauf zum Schiedsgericht gegangen sind. Nichts rechtfertigt das Verhalten der “Buhrufer”! Auch für das Verhalten der Eigentümerin/Besitzerin der 2.platzierten Hündin gibt es keine Entschuldigung. Ich stand unmittelbar neben einer Gruppe, die sich entgegen jeden Anstandes daneben benommen hat. Und ich spürte Hass! Wenn wir bei einem sportlichen Wettkampf nicht mehr fähig sind, Entscheidungen zu akzeptieren, ob sie einem nun gefallen oder nicht, sollten wir die Wettkämpfe einstellen.

Was mir auch Sorge bereitet: Für mich ist erschreckend, dass die Siegerehrungen mehr und mehr nationalistische Züge annehmen. Mir scheint es ist nicht mehr wichtig, welcher Hund gewonnen hat, sondern wer bei der Siegerehrung die Flagge mit der längsten Fahnenstange hat. Und wem es gelingt, die meisten Fahnenschwenker in den Innenraum zu bekommen. Das Schlimmste aber ist das beleidigende Verhalten der sog. “Windhundfreunde”. Völlig egal, aus welchem Land sie kommen. Ich war schon bei sehr vielen UICL- und UICL-Europarennen, Europa- und Weltmeisterschaften anwesend. Ein derart unsportliches Verhalten habe ich in mehr als 40 Jahren noch nicht erlebt.

Es war und bleibt ein unwürdiger Vorgang!

Habe ich Hoffnung, dass das Verhalten Konsequenzen nach sich zieht? Eher nicht. So wenig wie das unsportliche Verhalten der ungarischen Magyar-Agár-Besitzer bei der Europameisterschaft in Gelsenkirchen 2009 irgend welche Folgen hatte, wird auch hier die FCI/CDL nichts gegen die Unsportlichkeiten unternehmen. Wobei das Verhalten der Ungarn in Gelsenkirchen m.M. nach nicht den Grad der Unsportlichkeit hatte, wie bei der EM in Hünstetten.

Das Verhalten dieser Menschen war eine Beleidigung für den ausrichtenden Verein! Und für das Gastgeberland! Was wäre wohl, wenn deutsche Teilnehmer bei einer solchen Veranstaltung im Ausland beim Abspielen der Nationalhymne des ausrichtenden Landes, sich so verhalten würden? Die Reaktionen würden zu Recht nicht lange auf sich warten lassen und mit nationalistischem Verhalten in Verbindung gebracht. Nein, wenn wir hier nicht gegensteuern, kommt es in unserem bislang schönen Windhundsport zu Zuständen wie wir sie aus Fußballstadien kennen. Aber dann werden sich viele, mit Herzblut an dem Windhundsport hängende Windhundfreunde, zurückziehen.

Manfred Müller

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