Die FCI-Europameisterschaft Hünstetten im Rückspiegel – aus Sicht der Tierärztin Sabine Maaß

Okt 21st, 2015 | By GK | Category: Bericht und Ergebnisse, Rennen, Veranstaltungen

Am ersten Wochenende im September hatte die Tierärztliche Praxis Dr. Seelig, Laufenselden, die Ehre, die Europameisterschaft in Hünstetten betreuen zu dürfen.

In einem sehr großzügigen Zelt, das mittig im Eingangsbereich stand, hatte man für mich und meine Kolleginnen Prof. Dr. vet. Med. S. Goericke-Pesch, Dr. vet. Med. Caroline Maahs, und Cand. Vet. Med. Lena Theile komfortabel Platz geschaffen, um 4 tierärztliche Stationen zu besetzen und wir sogar die eigenen mitgebrachten Lieblinge sicher unterbringen konnten. Am vorderen Ende wurden die Eingangskontrollen durchgeführt, so dass sich jeder Besitzer im Vorfeld noch einmal orientieren und informieren konnte.

Am Donnerstag Nachmittag begannen wir mit unserer Arbeit. Was wir an allen vier Tagen zu sehen bekamen, waren wirklich super trainierte Hunde, gepflegt bis zum letzten Ohrzipfel und freundliche, gut gelaunte Besitzer. Wir kamen sehr zügig durch alle Einlasskontrollen und es gab nur sehr wenig zu beanstanden. Das das so war, ist dem Einsatz des Teams aus Hünstetten zu verdanken, die uns in allen Belangen großartig unterstützt haben. Der Sport verbindet und wir hatten unerwartet Unterstützung von finnischer Seite, unserer Bea Anderson, die sich einfach ab der ersten Minute zu uns gesellte und nicht mehr von unserer Seite wich, damit wir jemanden hätten, wenn es Sprachprobleme gibt oder wir sonst wie Hilfe benötigten. Einfach so!

Ich muss hier noch mal darauf verweisen, dass die Tierärzte im Sinne der Hunde eingesetzt werden. Wir haben nicht die Belange der Besitzer oder der Vereine im Auge, sondern kümmern uns ausschließlich um die der Athleten auf vier Füssen. Eine böse Ohrentzündung muss auf jeden Fall den Ausschluss aus dem Renngeschehen nach sich ziehen, auch wenn der Haustierarzt anderer Meinung ist. Diesem Kollegen sei empfohlen, mit einer schmerzhaften Ohrentzündung an einem Sprint-Rennen teilzunehmen. Vielleicht denkt er dann anders.

Der Ausschluss eines Hundes von einer Rennveranstaltung wird im Team besprochen. Sie erfolgt nicht willkürlich. Bitte, liebe Veranstalter und Funktionäre, stellen Sie sich konsequent hinter uns. Es geht einfach nicht, dass ein Rennteilnehmer den nächsten Morgen abpasst, um vom Mannschaftsführer ein Quasi-OK einzukassieren, so dass der Tierarzt vor Ort entnervt aufgibt.

Stützen Sie unsere Position im Sinne unserer Windhunde.

Von unseren Kollegen der Dopingkontrolle war nicht viel zu sehen. Vielleicht hätten wir noch nicht mal gewusst, dass sie überhaupt da sind, hätten wir nicht an allen drei Tagen des Rennens immer wieder Hunde gesehen, die an beiden Vorderläufen oder beiden Hinterläufen getapt waren. Ich frage mich, ob man diesem Team nicht besser einen erfahrenen Kollegen an die Hand gegeben hätte, damit die Belastung für die Hunde und die Besitzer deutlich geringer ausgefallen wäre.

So aber hatten wir Zeit, viele Läufe zu beobachten. Auffallend war die grandiose Leistungsdichte in den Finalläufen. Nase an Nase, Kopf an Kopf wurde um jeden Zentimeter gekämpft. Es gab nicht eine nennenswerte Verletzung. Dass das nicht zuletzt von dem professionellen Hasenzug abhängt, weiss jeder Sportsfreund. Deshalb hat die Tierärztliche Praxis Dr. Seelig einen Sonderpreis für alle Hasenzieher ausgelobt. Es gibt nichts Befriedigenderes für uns, als wenn wir am Ende einer solchen großen Veranstaltung einen quasi unbenutzten Notfallkoffer Zuhause ausräumen dürfen.

Vielen lieben Dank an alle Windhundfreunde, die das möglich gemacht haben.

Mit lieben Grüssen - Eure Tierärztin S. Maaß mit William und Amadeus

Comments are closed.