FCI-Europameisterschaften 2015 in Hünstetten – aus der Sicht von Jan Scotland

Sep 15th, 2015 | By GK | Category: Rennen, Veranstaltungen

Am Wochenende 4., 5. & 6.September fanden in Hünstetten unter großer Konkurrenz die Läufe der EM statt. Wir gratulieren allen Siegern und Platzierten. Die monatelange intensive Vorbereitungszeit für den ausrichtenden Verein Untertaunus Hünstetten e.V. wurde belohnt mit dem Erfolg des gelungenen Sport-Events.

So war es am Montag, den 7. September 2015 auf der Homepage des DWZRV zu lesen, und damit ist das Wesentliche bereits gesagt. Die Mitglieder des WRU Hünstetten hatten in monatelanger Arbeit eine nahezu perfekte Veranstaltung vorbereitet, und während des ganzen (verlängerten) Wochenendes spürte man, dass die verschiedenen Teile der Organisation ineinander griffen wie die Rädchen eines Uhrwerks.

Und nicht nur Mitglieder des ausrichtenden Vereins waren bei dieser EM tätig, sondern auch viele Mitglieder anderer Vereine im DWZRV, zahlreiche ausländische Windhundfreunde sowie Mitglieder von Vereinen aus der Gemeinde Hünstetten waren unermüdlich im Einsatz. Beginnend mit dem Empfang der anreisenden Teilnehmer, der exzellenten Kantine, dem zügigen Ablauf bei der Tierarztkontrolle, auf dem Sattelplatz und am Start sowie der mehrsprachigen Ansage durch Kris Gielen (Belgien) und Walter Brändle (Schweiz). Bis hin zur schnellen Auswertung und Bekanntgabe der Ergebnisse durch das Sekretariat.

Auch der technische Ablauf war trotz der hohen Meldezahl von 543 Hunden aus 14 Ländern und 15 verschiedenen Windhund- und Mediterranenrassen problemlos und weitgehend pannenfrei, wozu nicht zuletzt ein ganzer Maschinenpark gut gewarteter Hasenmaschinen beitrug, der von einem vielköpfigen Team routinierter Hasenzieher und –techniker bedient und gewartet wurde. Unter ihnen war mit Rita Rüsing, die wenige Tage vor der Veranstaltung ihren achtzehnten Geburtstag feiern konnte, auch Deutschlands derzeit wohl jüngste Hasenzieherin, die nach mehrjähriger „Lehrzeit“ bei dieser EM ihren ersten Einsatz bei einem offiziellen Rennen mit Bravour absolvierte. In einer Zeit, in der zwar gerne über Nachwuchsmangel geklagt wird, in der aber manche Domäne – gerade auch technischer Art – mitunter eifersüchtig gehütet wird, ist zu wünschen, dass sich andere Rennvereine an dieser gelungenen Nachwuchsförderung ein Beispiel nehmen.

Und nicht zuletzt auch das Wetter trug zum reibungslosen Ablauf bei. Hatte es während der vergangenen Monate angesichts anhaltender Trockenheit und Hitze noch viele sorgenvolle Gedanken gegeben, ob das Geläuf bis zur EM in einem veranstaltungstauglichen Zustand gehalten werden könnte, so hatte sich der Hochsommer rechtzeitig vor Beginn des Septembers verabschiedet und einem angenehm kühlen, bisweilen wechselhaftem Wetter Platz gemacht. Lediglich in der Nacht zum Sonntag kam es zu einigen kurzen Schauern, so dass das ganze Wochenende hindurch ideale Rennbedingungen herrschten.

Gab es bei so viel Lob überhaupt Anlass zur Kritik? Nicht wirklich, zumal als wichtigstes Resultat dieser EM festzuhalten ist, dass es keinerlei ernsthafte Verletzung gab. Für manche Teilnehmer und Funktionäre, die mehrere Rassen am Start hatten oder die an verschiedenen Tagen zum Einsatz kamen, wurden die drei Tage dieser EM allerdings doch recht lang. Die meisten Teilnehmer werden dies wohl nicht so empfunden haben, da man sich auf die Läufe seiner Rasse konzentrierte und nicht unbedingt darauf erpicht war, das volle Programm der EM mitzuerleben. Auf dem weitläufigen Campinggelände herrschte daher ein ständiges Kommen und Gehen, und wahrscheinlich hätte es der detaillierten Stellplatzzuweisung gar nicht bedurft, sondern man wäre einfacher damit gefahren, hätte man wie bei der Coursing-EM einfach bestimmte Bereiche für die einzelnen Teilnehmerländer abgesteckt.

Dass die offizielle Eröffnungsfeier mit Ansprachen und Musikkapelle erst am Freitagabend stattfand, führte unter den Besitzern der Azawakhs, Barsois, Deerhounds, Galgos, Irish Wolfhounds, Windspiele und Mediterranen, die ihre Läufe ja bereits hinter sich hatten, mehrfach zu der ironischen Bemerkung, man sei wohl quasi im Vorprogramm der EM gelaufen. Dafür war der Sonntag den Läufen der Whippets und Greyhounds vorbehalten, die ja immer wieder gerne als Höhepunkt einer solchen Veranstaltung bezeichnet werden. Zwar gab es hier zahlreiche spannende Vorläufe und Halbfinals zu sehen, doch die Finalläufe dieser beiden Rassen waren dann am frühen Nachmittag (trotz Abziehen der Bahn vor jedem einzelnen Lauf) in knapp zwanzig Minuten abgewickelt. Nicht wenige interessierte Besucher, die aufgrund der umfangreichen Berichterstattung in den örtlichen Medien kamen und erst später eintrafen, werden enttäuscht wieder nach Hause gefahren sein, da alles bereits vorbei war.

Künftig wäre es sinnvoll, ein solches Event wieder auf zwei Tage zu beschränken, am besten verbunden mit einem geänderten Laufsystem. Es ist nicht nachvollziehbar, warum bei der Coursing-EM je Rasse und Geschlecht 6 Hunde pro Land (zuzüglich Titelverteidiger) gemeldet werden können und bei Rennbahn-EM und -WM doppelt so viele. Auch eine Meisterschaft auf der Rennbahn sollte sich eher durch Qualität als durch Quantität auszeichnen, und die Vielfalt der Windhund- und Mediterranenrassen würde bei einer solchen Einteilung ebenfalls besser zur Geltung kommen.

Ein paar kritische Worte können zum Abschluss einigen wenigen Besitzern und ihren Unterstützern nicht erspart bleiben. Es ist zwar menschlich verständlich, wenn beim Lauf des eigenen Hundes oder bei Hunden, die im Besitz von guten Freunden stehen, Emotionen im Spiel sind. Lautes Anfeuern und Brüllen dürfte jedoch relativ nutzlos sein (der Hund hat schließlich eine ganz andere Motivation zum Laufen), es hinterlässt aber bisweilen den hässlichen Eindruck des Fanatismus. Und erst recht sollte es eine Selbstverständlichkeit sein, dass Trillerpfeifen und Mehrklangfanfaren auf einem Hundesportplatz nichts zu suchen haben. Auch das (offenbar von der Coursing-EM übernommene) Ritual, bei der Siegerehrung hinter jedem platzierten Hund die jeweilige Nationalflagge in die Höhe zu halten, hinterließ gemischte Gefühle und die Frage, ob hier nicht etwas zu viel Nationalismus ins Spiel kam. Und auch auf den Siegerfotos sieht es nicht immer schön aus, wenn die Hunde von bunt bedruckten Tüchern optisch fast erdrückt werden.

Eindeutig überschritten waren die Grenzen des sportlichen Verhaltens und des guten Geschmacks schließlich, als versucht wurde, die Siegerehrung für die Europameisterin bei den Greyhound-Hündinnen und das folgende Abspielen der Nationalhymne mit Buhrufen und Pfiffen zu übertönen. Zuvor hatten sich im Finallauf die beiden Favoritinnen ein enges Kopf-an-Kopf-Rennen mit mehrfachen Bodychecks geliefert, bei dem einige Zuschauer (im Gegensatz zu den eingesetzten Bahnbeobachtern) einen Angriff der Siegerhündin erkannt haben wollten. Egal was die aufgebrachten Kiebitze mit ihrem Verhalten beweisen wollten – ihren eigenen Mangel an Kinderstube haben sie eindrucksvoll belegt, und es ist zu hoffen, dass diese Unsitte, die in anderen Sportarten längst als inakzeptabel gilt, ein Einzelfall bleibt.

Vereinzelte Pfiffe waren auch noch einmal zu hören, als CdL-Präsident Hubert Iser bei der kurzen Abschlusszeremonie seine Hoffnung aussprach, dass man sich im kommenden Jahr bei der Weltmeisterschaft in Frankreich wiedersehen werde. Ein verständlicher Unmut, da die Franzosen die EM in Hünstetten aus Gründen, die weder in der Verantwortung des ausrichtenden Vereins liegen noch überhaupt mit dem Bahnrennen zu tun haben, boykottiert hatten. Es ist zu hoffen, dass in dieser Sache seitens der CdL das letzte Wort noch nicht gesprochen ist, zumal auch über den Austragungsort noch Unklarheit zu herrschen scheint.

Für dieses Jahr bleibt jedoch die Erinnerung an ein gelungenes Rennen, mit dem der WRU Hünstetten exzellente Werbung für den Windhundsport in Deutschland gemacht hat. Der Dank gilt allen Helfen aus dem In- und Ausland, ohne die eine solche Veranstaltung nicht stattfinden könnte.

Jan Scotland

Die Bilder in diesem Bericht von den Läufen am Samstag hat uns Rainer Scholz zur Verfügung gestellt.

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