Nachlese zur Windspiel-Jahresausstellung und zum internat. Windhundrennen aus Sicht einer Ringschreiberin und Tierärztin

Jul 23rd, 2014 | By GK | Category: Ausstellung, Bericht und Ergebnisse, Veranstaltungen
Barock – Eindrücke von der Jahresausstellung der italienischen Windspiele am 19.07.2014 und vom internationalen Rennen am 20.7.2014 in der Windhund-Arena Hünstetten – von Tierärztin Sabine Maaß

Mit Barock verbindet man eine bestimmte historische Epoche, die ihresgleichen an Symbolkraft, Lebensfreude und ausdrucksstarker architektonischer und modischer Details sucht. Die Windhundfreunde verbinden mit Barock immer die kleinen italienischen Windspiele, weil sie in Deutschland eine wunderbare Blütezeit mit dem Preußenkönig Friedrich dem Großen erlebten, der ja selber ein begeisterter Anhänger dieser Windhundrasse war. Ein beliebter Ausspruch von ihm lautete: “Hunde haben alle guten Eigenschaften der Menschen, ohne gleichzeitig deren Fehler zu besitzen.”
Also kreierte das Team um die Sonderleiterin Sabine Heitmann einen “barocken Ring” mit einem üppigen Blumengesteck als Ringmitte, einen wunderschönen offenen Pavillion, der mit feinster Gardine dekoriert war und unter dem ein “barocker” Tisch für die Hunde zur Einzelbewertung bereit stand. Der Außenring wurde in weiße Organza gehüllt und mit großen Schleifen in den Farben Italiens sowie künstlichem Efeu geschmückt. Dieser enorme Aufwand wurde sehr gerne in Kauf genommen, denn schliefllich hatten sich im Vorfeld eine Rekordmeldezahl von 79 italienischen Windspielen aus Deutschland, Niederlanden und Frankreich angesagt. Passend dazu und zu dem sehr sonnigen und heißem Wetter wurde beim Einmarsch unter den Klängen von Rondo Veneziano jedem Teilnehmer ein Eis und ein barocker Schutzengel überreicht.
Als Richter konnte unsere Sonderleiterin Herrn Olaf Knauber gewinnen, der wie gewohnt mit Enthusiasmus und guter Laune direkt ins Richten einstieg. Ring 2 wurde von Herrn Wim Wirsma aus den Niederlanden, Ring 3 von Herrn Pascal Thiery aus Frankreich und Ring 4 von Frau Hintzenberg-Freisleben aus Deutschland geführt. Es war eine große Freude, die vielen kleinen Windspiele zu sehen, die sich von dem ganzen Trubel und dem heißen Wetter durchweg unbeeindruckt zeigten und auch deren Besitzer, die mit bewunderswerter Geduld und absoluter Disziplin diesen Showmarathon bewältigten.
Ich hatte diesmal die Ehre, die Richterberichte für Herrn Knauber schreiben zu dürfen. Dies verschaffte mir noch einmal eine neue Sicht auf die Dinge und jede Menge Detailwissen über diese wundervolle Windhundrasse. So kann ich auch mit Sicherheit sagen, dass der Richter nicht nur begeistert und motiviert war, sondern sich auch um jeden einzelnen Hund bemühte und seine Entscheidungen schwer abwog angesichts der hohen Qualität, die er zu sehen bekam.
Als nach den ersten 4 Stunden Show und ca. 5 Flaschen Wasser die 31 Windspielrüden gerichtet waren, gab es eine 10 minütige Pause. Nun ja, barock und üppig war nur der Wasserverbrauch und die Ausführlichkeit der Richterberichte, der Gang zur Toilette dementsprechend unausweichlich. Ein Schelm, wer denkt, dass die ein oder andere Anmerkung, wir wären in Zeitnot, Herrn Knauber dazu veranlasst hätten, kürzere Richterberichte zu verfassen. Er löste das kleine Problemchen einfach auf seine charmante Weise, in dem er schneller diktierte. Schließlich hat jeder Gast in der Einzelberwertung ein Recht auf einen fundierten Bericht. Selbstverständlich ist eine endgültige Entscheidung, egal wie schwer diese auch fällt, irgendwann getroffen. Aber Herr Knauber nahm sich selbst dann noch die Zeit, um alle Teilnehmer des Stechens wissen zu lassen, dass die hervorragende Qualität der gezeigten Windhunde im Grunde jeden zum Sieger gemacht haben, auch wenn nur einer eine Schleife bekommen kann.
An dieser Stelle sei das Engagement von Frau Peschges und Frau Krieger gesondert erwähnt und hervorgehoben. Mit Sicherheit hängt der Ausgang einer solchen Veranstaltung an solchen Persönlichkeiten, die in jeder Hinsicht hinter “ihrer” Rasse stehen. Vielen lieben Dank!

Mein Barockkleid durfte ich gegen 18 Uhr in aller Ruhe auf den Bügel hängen, weil meine Kolleginnen Dr. vet. med. Caroline Maas und Dr. vet. med. Goericke-Pesch um 17.00 Uhr mit der Einlasskontrolle für die Rennteilnehmer des darauf folgenden Sonntags begannen. Was für eine tolle Entlastung für mich.
Mit sorgenvoller Miene schauten alle Funktionäre nach “oben” und beteten für eine ordentliche Abkühlung. Hatte man doch das rasche Ende des Internationalen Rennens vom letztes Jahr noch vor Augen. Was immer der Vereinsvorsitzende auch getan hat, es hat geholfen. Am nächsten Tag war es durchweg leicht bewölkt und dazwischen sorgte leichter Nieselregen für eine leichte Abkühlung, so daß man schon fast von optimalen Rennbedingungen reden konnte. Die Sandbahn war die Woche über bestens präpariert worden. Sie präsentierte sich in ausgezeichnetem Zustand für die 211 gemeldeten Windhunde.
In der Kantine hatte das Team um Ellen Warscheid ebenfalls den Turbo angeschaltet. Es wurde geschnippelt und gekocht was das Zeug hielt, damit alle nach einem üppigen Frühstück, einer kleinen Zwischenmahlzeit zu einem feinem Mittagessen wechseln konnten. Von da dann zum gemütlichen Kaffee mit Kuchen und Torten. Absolut Rekordverdächtig.
Den Teilnehmern aus Belgien, Holland, Italien, Österreich, Ungarn, der Schweiz und Deutschland sei ein herzliches Dankeschön gesagt. Alle waren derart diszipliniert und sportlich fair, dass es eine wirklich schöne Veranstaltung wurde. Und was macht es schon, wenn der eigene Hund in einem superstarken Feld die eigene Nase einmal nicht vorne hat. Man kann trotzdem dem Gegner gratulieren! Besonders freue ich mich für den jungen Greyhoundrüden Donegal Duke Affair mit einer Laufzeit von 28,11 Sekunden auf der 480 Meter Bahn. Nur um Haaresbreite verpasste der Rüde den Bahnrekord seines Vaters von 28,03 Sekunden! Herzlichen Glückwunsch!
Für mich als Tierarzt war herzlich wenig zu tun, was für die Qualität der Bahn, die Kondition der Windhunde und natürlich für die Veranstaltung insgesamt spricht. Ich sehe der Europameisterschaft nächstes Jahr mit großer Freude entgegen und hoffe, dann ganz viele Windhundfreunde wiedersehen zu dürfen. Jetzt möchte ich noch geschwind dem Team “hinter den Kulissen” meinen Respekt zollen. Eine Doppelveranstaltung in diesem Rahmen steht und fällt mit den freiwilligen Helfern, die ausreichend motiviert und zahlreich genug sein müssen, um so etwas zu stemmen. Die Logistik im Vorfeld und die Teambildung sind eine heikle Sache und verbrauchen meist viel Energie und Engagement.
Auch kommen mir die Hasenzieher irgendwie immer zu kurz. Dabei ist ein Lauf nur dann gut, wenn mit Gefühl und Augenmaß gleichmäßig gezogen wird. Komischerweise geraten diese Mitstreiter nur dann in den Fokus, wenn mal irgend etwas nicht passt! Dabei stehen genau diese mitten drin im der Arena, egal ob es regnet oder die Sonne brennt. Dieses Jahr hat die Tierärztliche Klinik Dr. vet. med. B. Seelig deshalb genau für die beiden, nämlich Bernd Riedel und Heinz Papenberg einen Sonderpreis ausgelobt. Tolle Arbeit, Jungs!
Eines steht fest: Veranstaltungen im WRU Hünstetten sind einfach Sonderklasse und es war mir wie immer eine große Ehre, dabei sein zu dürfen.
Seid alle lieb gegrüßt von Eurer Sabine mit William und Amadeus

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